Buchgestaltung und Coverdesign – was sollten Self-Publisher berücksichtigen?

Ein Beitrag von Annalena Weber · Master of Arts für Buchdesign


Wie finde ich zum optimalen Buchdesign?

Buchgestaltung und Coverdesign für Self-Publisher

Die Buchgestaltung ist ein komplexer Prozess

Bücher sind immer Herzensprojekte. Niemand schreibt schnell mal ein Buch. Daher ist jede Buchgestaltung aufs Neue eine große Herausforderung. Jeder Autor und jede Autorin ist emotional mit ihrem Text verbunden. Das macht die Anforderungen an das Buchdesign sehr komplex, denn neben Thema und Inhalt des Buches fließen oft auch die Wünsche der AutorInnen, Vorstellungen des Verlages und die Erwartungen der Leserschaft mit in den Gestaltungsprozess ein.

Eine gelungene Buchgestaltung muss die Stimmung des Textes aufgreifen, dem Inhalt ein Gesicht geben. Ich gestalte zum Beispiel immer wieder Belletristik und Sachbuch-Titel für den Leipziger Verlag Open House. Der Verleger brieft mich nie nur mit dem Titel, sondern gibt mir immer auch einen Teil des Manuskripts mit. Die Herausforderung ist dann, den Ton der Geschichte zu treffen und ins Bildliche zu übertragen. Eine nicht immer leichte Aufgabe.

Ein durchdachtes Design-Konzept ist die Grundlage

Die Gestaltung eines Buches beginnt mit einem klaren Fahrplan. Zuerst mache ich mir über Thema und Inhalt des Buches Gedanken. Ich recherchiere Buchcover ähnlicher Titel und suche nach Materialien, Symbolen und Bildern, die ich mit dem Werk in Verbindung bringe. Auch für die Zusammenarbeit mit Autor, Autorin und Verlag hilft es, nach Konzept vorzugehen um meine Gestaltungsvorschläge gut kommunizieren und begründen zu können.

Nach der Vorbereitung erarbeite ich meine Entwürfe. Anhand von Vorschlägen und Beispielen wird eine Richtung herausgearbeitet, in die die Gestaltung gehen soll. Viele Gestaltungsdetails ergeben sich schließlich aus konkreten Anforderungen im Arbeitsprozess.

„Eine gelungene Buchgestaltung basiert auf der Berücksichtigung zahlreicher inhaltlicher, gestalterischer und persönlicher Aspekte sowie der Offenheit, auch über Umwege zur entscheidenden Idee zu gelangen.“

Die Covergestaltung – Das Gesicht eines Buches

Bei der Gestaltung eines Buchcovers gilt: Das Covermotiv, also beispielsweise eine Illustration oder Fotografie, sollte immer zuerst dem Buch dienen und nicht umgekehrt. Es geht schließlich um den Inhalt des Buches und nicht um das Cover. Ist die Covergestaltung zu dominant und eigenständig, kann sie den Bezug zum Kern des Buches, seinem Inhalt, verlieren. Dann erfüllt das Design nicht seinen Zweck.

Schaut man heute in die Regale deutscher Buchläden, trifft man auf ein Feuerwerk der Formen und Farben. Getrieben von der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Branche, folgen viele Verlage der Prämisse: je lauter desto besser! Beginnt man zu vergleichen wird schnell deutlich: Es sind meist die kleineren, unabhängigen Verlage, die gestalterisch anspruchsvollere Wege gehen. Ihre Cover sind oft poetischer, verwegener, weniger erwartbar.

Der erste Eindruck ist zweifellos ein entscheidenderes Kriterium, sich ein Buch zu kaufen. Gefällt das Äußere, traut man auch dem Inhalt entsprechende Qualität zu. Gelungenes Buchdesign führt sogar soweit, dass man sich jedes Mal aufs Neue darüber freut, wenn man das Buch zur Hand nimmt.

Auch beim Self-Publishing macht gute Buchgestaltung oft den Unterschied

Parallel und scheinbar losgelöst vom etablierten Buchmarkt wächst seit Jahren die Self-Publishing Szene heran. Beflügelt durch mediale und gestalterische Möglichkeiten am heimischen PC und bahnbrechende Entwicklungen in der Druck- und Medienindustrie (Digitaldruck, Book on Demand, Ebook, etc.) gewinnt dieser noch junge Branchenzweig rasant an Bedeutung.

Buchdesign und Covergetaltung für Self-Publisher

Viele der Autorinnen und Autoren erstellen neben den Inhalten auch die Cover und das Layout ihrer Bücher selbst. Dementsprechend wirkt die Gestaltung manchmal noch ein wenig ›hausgemacht‹. Gestalterische Mängel werden meist schon am Cover sichtbar und sind nicht selten der Grund für eine negative Kaufentscheidung des Kunden. Nicht umsonst betrauen etablierte Verlage gerne professionelle GestalterInnen, um für ihre Titel eine optimale Covergestaltung und ein erfolgreiches Buchdesign sicherzustellen.

Verlage und Designer haben aufgrund ihrer Erfahrung in der Regel ein feines Gespür dafür entwickelt, was aussagekräftig ist, gut aussieht und am Markt Erfolgsaussichten hat. Professionelle BuchdesignerInnen, wie meine KollegInnen und ich, stehen auch Self-Publishern gerne zur Seite.

Auch Full-Service Dienstleister für persönliche Bücher, wie der Gallus Verlag, sind für Autorinnen und Autoren hilfreiche Ansprechpartner. Sie übernehmen neben der Buchgestaltung auch Texterstellung und Lektorat und geben Auskunft über Marketing- und Vertriebsmöglichkeiten, wie zum Beispiel das Book-on-Demand-Verfahren oder das stetig populärer werdende E-Book.

Fazit: Um für Ihr Buch einen optimalen ersten Eindruck und das größtmögliche Lesevergnügen zu garantieren, würde ich jedem Autor und jeder Autorin empfehlen, über ein professionelles Cover und ein hochwertiges Layout nachzudenken. Ist Ihr Buch tatsächlich ein Herzensprojekt, lohnt es sich unbedingt, ein wenig Budget auch für die Buchgestaltung und das Coverdesign einzuplanen.

Wer sich dennoch selbst an der Buchgestaltung versuchen oder sein selbst erstelltes Cover überprüfen möchte:

10 Tipps für ein erfolgreiches Coverdesign beim Self-Publishing

  • Recherchieren Sie zuerst ähnliche Bücher und lassen Sie sich von der Gestaltung inspirieren.
  • Denken Sie an Inhalt und Stil Ihres Textes.
  • Das Cover ist das Erste, was man als LeserIn sieht. Es sollte die Stimmung des Textes transportieren.
  • Definieren Sie ein Ziel, einen ersten Eindruck, den Sie erreichen wollen.
  • Überladen Sie das Cover nicht. Lassen Sie Weißraum zu.
  • Lassen Sie ihrem Motiv Raum zum Atmen.
  • Haben Sie sich für eine Illustration oder Fotografie entschieden, gibt diese fortan den Ton an.
  • Suchen Sie Hintergrundfarbe und Typografie so aus, dass sie harmonisch mit der Illustration zusammenwirken.
  • Beziehen Sie auch Buchrücken und Rückseite mit in Ihr Design ein.
  • Bedenken Sie, dass bei einer Veröffentlichung auch Ihre ISBN-Nummer auf der Rückseite Platz finden muss.

Viel Erfolg mit Ihrem Buchprojekt!

Annalena Weber

Informationen zur Autorin

Annalena Weber

Annalena Weber

Master of Arts

Freie Grafikdesignerin mit Schwerpunkt Buchdesign


Ich bin Annalena Weber, Grafikdesignerin im Allgemeinen und Buchdesignerin im Speziellen. Als ich mich vor Jahren nach meinem Abitur für einen Beruf entscheiden sollte, stand ich vor einem Dilemma. Es bestand kein Zweifel, dass es ein künstlerischer Beruf sein würde. Ob meine Entscheidung jedoch in Richtung Design, freie Grafik oder Kunstpädagogik fallen würde, war lange Zeit offen. Ich habe mich für Grafikdesign entschieden und diese Entscheidung nie bereut.

Schon bald bekam ich allerdings die ›Hipness‹ dieses Berufszweigs zu spüren. Die meisten Projekte in dieser Branche haben doch einen eher kurzlebigen Charakter. Man gestaltet einen Flyer hier und eine Broschüre da. Nichts von dem, was ich da produzierte, wirkte auf mich, als wäre es von Dauer – und nur weniges von Relevanz. Bücher allerdings waren etwas anderes. Ein Buch ist etwas Bleibendes. Es kann eine eigene kleine Welt erschaffen. Daher habe ich meinem Bachelor den Master of Arts für Buchdesign an der University of Reading, UK angeschlossen.

Seit meinem Abschluss arbeite ich von Hamburg aus als selbständige Buchdesignerin für unterschiedliche Verlage und Agenturen. Dabei kümmere ich mich vom Bildband bis zum Roman, von der Covergestaltung bis zum Buchlayout um alle Elemente des Buches.

Auf meiner Webseite finden Sie einige meiner bisherigen Projekte. Vielleicht möchten Sie sich von dem einen oder anderen inspirieren lassen:

www.annalenaweber.com

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